Datenschutz in der EU und mögliche Wettbewerbsnachteile

So, nun ist es soweit: Die EU hat den Datenschutz soweit getrieben, dass die ersten US-Unternehmen ihre Dienste nicht mehr für EU-Kunden zur Verfügung stellen: https://t3n.de/news/dsgvo-erste-us-unternehmen-1078319/. OK, zugegebenermaßen ist das sehr plakativ geschrieben.

Datenschutz und die “Selbst-Sanktionierung”

Aber es hat einen wahren Kern: Es gibt offenbar wirklich einige US-Unternehmen, die deren (bis jetzt recht spezielle) Dienste einschränken, damit sie von EU-Unternehmen / EU-Kunden nicht mehr in Anspruch genommen werden können. Und das einfach, weil aus deren Sicht der Aufwand für die Anpassung an die DSGVO (zu) hoch ist.  Und ja, das ist aus EU-Sicht ein Armutsbekenntnis: Unternehmen, egal wo sie herkommen, sollten nicht vor Datenschutzvorgaben derer Kunden flüchten, sondern sich diesen stellen und sich anpassen. Aber die Frage ist: Sägen wir uns als “EU” hier nicht selbst den Ast ab? Ich bin grundsätzlich schon der Meinung, dass der Datenschutz ein hohes Gut ist, um hier vieles zu rechtfertigen. Was haben wir aber davon, wenn die EU damit immer weniger Zugang zu vernünftigen, state-of-the-art-Cloud-Diensten hat. Das ganze führt zwangsläufig zu einen Wettbewerbsnachteil, der momentan nicht in Sicht ist aufgeholt werden zu können.

Cloud-Services aus der EU

Von was für Cloud-Diensten sprechen wir denn? Die Unternehmen, die bis jetzt solch eine Ankündigung gemacht haben, sind vernachlässigbar. Aber was wäre, wenn hier Unternehmen nachziehen würden wie z. B. Amazon (AWS), Microsoft (Azure, O365), Salesforce, Google (Google Cloud Services), IBM (IBM Cloud Computing), und ähnliche? Das Problem ist ganz einfach: Es gibt in der EU aktuell einfach nicht mal annähernd solche “sophisticated” Cloud-Dienste wie die angesprochenen. Sicherlich gibt es hier auch gute Software-Unternehmen, und möglicherweise kommen wir auch an den Punkt. Zum momentanen Zeitpunkt- hier muss man ehrlich sein, sind wir doch, was Cloud-Services im Enterprise-Bereich angeht, völlig abhängig. Primär von den USA.

Was ist zu erwarten?

Muss man nun hier Bedenken haben? Ich denke, hierfür müssen die ersten Monate nach dem 25.05. abgewartet werden. Bei den großen Unternehmen wird wohl der zu erwartende Gewinn mit EU-Unternehmen die Kosten für die Umsetzung der DSGVO (bzw. die annähernde Compliance mit dieser) bei weitem übersteigen. Aber kleine oder mittlere Unternehmen, möglicherweise auch Start-Ups in gewissen Sektoren, könnten auf die Idee kommen, sich den “Stress” mit der EU hinsichtlich Datenschutz zu ersparen. Hier ist zu hoffen, dass die EU sich mit dem, möglicherweise übertriebenem Datenschutz, nicht selbst einen Wettbewerbsnachteil einhandelt und sich von der technologischen Spitze (ungewollt) abschneidet.

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