Der Datenschutz ist eine Bremse – oder auch nicht

Ich hatte heute eine interessante Diskussion zum Thema Datenschutz (ich weiß, wir sind wieder bei dem Thema, aber momentan ist das halt einfach Topic 1). Quintessenz meines Gegenüber (Danke F.!) war sinngemäß: “Die anderen Länder wie z. B. China werden sich ins Fäustchen lachen, die EU wird doch so nicht wettbewerbsfähig bleiben”. Auch wenn ich eigentlich ein Freund des Datenschutzes bin, ist hier durchaus ein Körnchen Wahrheit dran. Wenn man sich die letzten Monate einfach mal Revue passieren lässt und mal realistisch betrachtet, was hier für einen Aufwand betrieben wurde (und noch immer wird) muss man sich doch schon mal die Frage stellen: Schießt man hier vielleicht über das Ziel hinaus?

Sind kleine Unternehmen von der DSGVO stärker betroffen?

Was ich immer wieder höre ist, dass die “kleinen Unternehmen” am stärksten betroffen sind. Das ist absolut gesehen natürlich nicht korrekt- je größer ein Unternehmen ist, desto größer ist sicherlich auch der Gesamtaufwand für die Umsetzung der DSGVO. Wenn man sich allerdings den Aufwand der Umsetzung mal anschaut bezogen auf die Anzahl der Mitarbeiter wird es schon ganz anders. Wenn man sich jetzt das ganze noch umrechnet auf die einzelnen Kunden, quasi auf den “Aufwand pro Datensatz”, dann sind die kleinen Unternehmen überproportional betroffen. Alle Unternehmen müssen natürlich einen initialen Aufwand betreiben, allerdings sind die “Kosten” pro Kunde einfach massiv unterschiedlich. Wenn aber nun die kleinen und mittleren Unternehmen mehr betroffen sind, stellt sich schon wieder die Frage: ist das Sinn der Sache? Die kleinen und mittleren Mittelständler sind ja gerade der “Motor”, der viel am laufen hält.

Wenn man sich jetzt auch noch die aktuell-laufenden Abmahnungen anschaut, kommt das ganze doch schon recht komisch. Es wird hier nicht Facebook oder WhatsApp abgemahnt wegen dem gegenseitigen Austausch von Kundendaten. Es wird nicht twitter abgemahnt wagenfraglichen AGBs. Sondern es werden kleine Unternehmen abgemahnt, die

  • potentiell eine falsche Schriftart verwenden,
  • die Datenschutzerklärung nicht vollständig hatten oder
  • irgendein CDN verwenden um Bilddateien abzulegen.

Für mich fehlt alleine hier schon die Verhältnismässigkeit. Nichts gegen den Datenschutz, aber sind das wirklich die Probleme dieser Welt?  Haben wir wirklich etwas davon, wenn die Unternehmen diesen Aufwand betreiben müssen- und unsere Konkurrenz im außereuropäischen Ausland nicht? Oder haben wir vielleicht einfach Nachteile, in dem die Unternehmen aufgrund des Aufwands z. B. die Preise erhöhen oder die Kosten senken werden?

Man kann momentan noch nicht sagen, wo das hingeht- und vor allem, was das für einen Impact hat. Aber ich befürchte, dass es langfristig einen negativen Effekt haben wird. Wir bürden den Unternehmen diesen Aufwand auf, wundern uns aber auf der anderen Seite, dass es keine Europäischen Cloud-Anbieter gibt, die für unsere Region vernünftige Leistungen erbringen können (ich vergleiche hier mit AWS und Azure). Es gibt hier wohl ein paar Gegensätze, die nicht wirklich miteinander vereinbar sind. China ist sicherlich das andere extrem- wir Wirtschaftsleistung fährt ungebremst nach oben ohne wirklichen Rücksicht auf Personen oder gar Persönlichkeitsrechte zu geben. Aber wir sind momentan das andere extrem: Aktuell sieht es so aus, als würde der Datenschutz einfach nur bremsen.

 

…to be continued

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