Deutschland – Digitales Entwicklungsland oder Weltspitze?

Nach dem ich diesen Artikel https://www.heise.de/newsticker/meldung/Peter-Thiel-ueber-DSGVO-Europas-Eingestaendnis-der-Niederlage-wie-Berliner-Mauer-4069987.html zum ersten mal gelesen habe, musste ich dem Autoren spontan recht geben. Deutschland ist in Sachen IT einfach (wieder) annähernd Entwicklungsland. Wie haben eigentlich in kaum einem Bereich der IT den großen Unternehmen wie Microsoft, Apple, Google usw. etwas entgegenzustellen. Aber nicht nur da hängen wir hinten an, auch bei alltäglichen Themen wie der Digitalisierung der Behörden, beim Breitbandausbau und beim Thema KI sind wir abgeschlagen. Jetzt kommt noch die DSGVO mit noch mehr Regulierungen und noch weniger produktivem Output für die Unternehmen. Jetzt mal ehrlich, das sind nicht gerade die besten Voraussetzungen, um Start ups oder andere Hightech- und IT Firmen anzulocken.

Man hat sehr das Gefühl wie sind ein Land von Grobmotorikern. Den Pokal für die beste Ingenieurleistung haben wir spätestens seit Stuttgart21 und BER auch abgegeben. Wir haben die Solartechnik verschenkt. Da waren wir richtig gut. Aber zu teuer (oder zu unachtsam). Wir sind gerade dabei die e-Mobilität wegzuwerfen und einer unter vielen zu werden- jedenfalls kein Vorreiter.
Aber wir schweifen ab…

Wenn ein Unternehmen heute seine Services Richtung Cloud ausrichten möchte, was hat es denn für Optionen?

Da sind natürlich zum einen die großen Platzhirsche, um dessen Betrachtung man bei dieser Thematik nicht drum rum kommt. Im Gartner für IaaS für 2017 sind die folgenden Big Player aufgelistet:

  • AWS (US)
  • Microsoft (US)
  • Google (US)
  • Alibaba (China)
  • IBM (US)
  • Oracle (US)
  • Virtustream (US)
  • Rackspace (US)
  • CenturyLink (US)
  • Fujitsu (Japan)
  • Interroute (US)
  • Joyent (US)
  • Skytap (US)
  • NTT (Japan)

Was gleich auffällt: Es ist hier kein Unternehmen aus einem EU-Land. Natürlich sind darum die Unternehmen kein zwingendes no-GO. Trotz DSGVO ist wohl mit den meisten o. g. Unternehmen eine Geschäftsbeziehung vernünftig möglich durch diverse EU-Abkommen, die es so gibt. Aktuell gibt es hier Entweder die Verwendung der EU-Standardklauseln oder eben über privacy-shield. Langfristig muss jedes Unternehmen selbst für sich entscheiden, in wie weit es die politische Situation erlaubt, langfristig und mit möglichst geringem Risiko auf diese Anbieter zu setzen. Stand jetzt ist das rechtlich eher kein Problem, was die Zukunft bringt, wird sich Erst noch zeigen.

Wenn man auf Nummer sicher gehen möchte, und diese Unternehmen meiden möchte, sehe ich 2 Probleme:

  1. diese Unternehmen sind nicht umsonst im Gartner ganz vorne. Diese Unternehmen sind die, die sicherlich die beste Leistung bieten können. Die Frage ist hier: Möchte ein Unternehmen auf diese Vorteile verzichten?
  2. Natürlich gibt es diverse (natürlich kleinere) Cloud-Anbieter (IaaS, SaaS, PaaS) in Europa. Nur sind diese wirklich kleiner und meist noch nicht so lange “in the wild”. Wenn man sich für so einen Anbieter entscheidet, muss die Frage erlaubt sein: Wie lange gibt es das Unternehmen noch? Wird es sich entsprechend durchsetzen? Und wann wird es, wenn es mal richtig gut ist, von einem der großen geschluckt?

Das ganze dreht sich wohl im Kreis. Entweder ich habe Anbieter im Boot, die technisch top sind- dafür habe ich vielleicht keine langfristigen Sicherheiten, oder ich habe Anbieter im Boot, die rechtlich save sind aber dafür (aufgrund von Größe, Strategie, etc. ) möglicherweise keinen langfristigen Schutz der Investition bieten.

Aber das grundlegende Problem liegt doch eigentlich darin, dass die ganze Digitale Transformation (und mit der Cloud ein Teil damit!) in Deutschland einfach nicht wirklich voran schreitet. Damit das passiert, müssen einfach diverse Voraussetzungen gegeben sein, die aktuell noch bei Weitem nicht so weit sind:

  • Unternehmen und auch Privatpersonen müssen die Möglichkeit haben, einen SCHNELLEN und stabilen Internetzugang zu besitzen.
    Hier sind wir sogar in Europa ziemlich hinten dran.
  • Ich denke, die rechtliche Situation, speziell das Thema Datenschutz, muss in gewisse Richtungen angepasst werden. Aktuell bremst das, und sei es nur durch die fehlende Rechtssicherheit, massiv aus.
  • Möglicherweise benötigen angehende Cloud-Unternehmer in der EU eine gewisse Art von Sicherheit, nicht in Kürze von einem der top-tens aufgekauft zu werden.

Fazit

Ich denke, dass Cloud in der EU, als Teil der Digitalen Transformation, ein wichtiger Schritt ist, um konkurrenzfähig zu bleiben. Allerdings muss diese Digitale Transformation asap geschehen, damit wir nicht in diesem Bereich den Anschluss ganz verlieren, sondern vorne mitspielen können.

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